Anleitung zur Fliegensafari

(für Kinder)

Im Sommer, wenn das Wetter fliegenfreundlich warm wird, oder im Frühling, wenn die ersten Brummer und Summer aus ihren Winterkompostlagern schlüpfen, kommt die Zeit der Fliegensafaris. Das wichtigste ist dabei die Geduld. Wenn Du eine Fliege erspähst, sei ganz still und leise. Ständig müssen sie Fliegenklatschen und Kuhschwänzen ausweichen, und reagieren sehr empfindlich auf Bewegungen von uns Riesen. Wenn Du merkst, dass die Fliege (oder die Fliegen, sie kommen selten allein) immer wieder an einem Ort in der Wohnung oder im Garten landet, dann bewege Dich langsam und vorsichtig in die Nähe. Hier kannst Du Dich hinsetzen oder hinlegen. Es ist wichtig, dass Deine Lage gemütlich ist und Du nicht mittendrin im Fliegenbeobachten ein eingeschlafenes Bein ausschütteln oder Dich umdrehst musst, weil Dein Rücken wehtut. Wenn Deine Lage bäuchlings auf dem Wohnzimmerteppich ist, dann kann es natürlich sein, dass ein Elternteil oder ein anderer Erwachsener sich darüber wundert. Erkläre ihr oder ihm mit ruhiger Stimme, dass Du auf Fliegensafari bist. Er oder sie sollte Verständnis dafür haben und sich vorsichtig von der Fliegenbeobachtungsstelle entfernen.

Ein Kindergesicht, welches auf eine Fliege guckt, die gerade aus dem Bild verschwindet ( Bleistiftzeichnung auf Papier). Das alles vor der für "Mehr als Fliegen" gezeichnete Aquarell-Tapete.Bleibst Du ruhig an der Fliegenlandestelle, finden sich die Fliegen auch wieder ein. Vielleicht kommen sie nicht sofort wieder, wenn Du Dich dort niederlässt, aber nach einiger Zeit gewöhnen sie sich an Dich (oder vergessen, das Du Dich bewegt hast) und kehren zu ihrer bevorzugten Stelle zurück. Vielleicht hat hier jemand Zuckerkrümel verloren oder Schmutz hereingetragen, für den sich die Fliegen interessieren. Vielleicht gefällt den Brummern auch das Verhältnis von Licht und Schatten an dieser Stelle oder die Lufttemperatur. Wenn Du die Fliegen aus der Nähe siehst, kannst Du schon viel mehr erkennen. Aus schwarzen Flecken werden kleine Sechsbeiner mit durchsichtigen Flügelchen und großen Augen. Viele Fliegen haben rote oder braunrote Augen, andere schwarze oder grüne. Auf den ersten Blick sehen Fliegenaugen riesig im Verhältnis zum Kopf aus, dabei bestehen sie aus tausenden Mini-Augen. Das Fachwort für so ein zusammengesetztes Auge ist Facettenauge. Weil die Facettenaugen seitlich am Kopf liegen und fast kugelrund sind, kann eine Fliege beinahe alles rundherum um sich sehen. Deswegen ist es auch auf der Fliegensafari schwer, sich den Insekten unbemerkt von hinten zu nähern. Insekten ist das Fachwort für Fliegen und ähnliche Tiere mit sechs Beinen – zum Beispiel Bienen, Käfer und Libellen.

Ist eine Fliege erst einmal gelandet, wird sie wahrscheinlich ihre Vorderbeine aneinander reiben, mit ihnen über ihren Kopf wischen, ihre Hinterbeine am Hinterleib rubbeln und so weiter. So putzen sich Fliegen. Du hast womöglich gehört, dass Fliegen im Schmutz leben und sich von gammligem Essen ernähren. Gerade deswegen müssen sie sich putzen. Denn wenn Du noch genauer hinschaust, siehst Du viele kleine Haare am ganzen Fliegenkörper und auf den Beinen. Mit diesen Mini-Härchen spüren Fliegen Luftbewegungen – zum Beispiel eine Fliegenklatsche, die sich auf sie zubewegt. Dafür müssen die Härchen natürlich sauber sein. Die Vorderbeine putzen sich Fliegen besonders eifrig, denn mit den Haaren dort schmecken sie sogar. Die Fliege beim Putzen macht also dasselbe wie ein Mensch beim Zähneputzen und Ohren saubermachen.

Als nächstes wird die Fliege vielleicht ihren Saugrüssel ausfahren und damit über den Boden wischen. Das bedeutet, dass sie etwas zu essen gefunden hat. Fliegen essen ganz anders als wir. Mit dem Rüssel spucken sie auf ihre Nahrung und ihre Spucke löst alles Feste auf. Die flüssige Masse saugt die Fliege hoch. Rüsselt das Tierchen über den Boden, frisst es kleine Zuckerreste oder andere Leckereien. Wobei Leckereien für Fliegen auch sehr unappetitliche Dinge sein können: gammliges Fleisch, schimmliges Obst oder Kot.

Wenn Du länger auf Fliegensafari gehst, zum Beispiel einen ganzen Sommer lang, dann kannst Du alle möglichen verschiedenen Fliegen beobachten. Sie unterscheiden sich in Größe, Farbe und Ernährung. Du kannst einen Fliegensteckbrief anlegen, in dem Du für jede Fliege die unterschiedlichen Merkmale aufführst. Ein paar Beispielfragen:

  • Welche Farbe haben die Augen der Fliege? Rotbraun oder ein anderer Farbton?
  • Welche Farbe hat der Körper der Fliege? Mit deutlich sichtbaren Haaren?
  • Haben die Fliegenbeine sichtbare Füße, vielleicht in einer anderen Farbe als die Beine?
  • Wo hast Du die Fliege gesehen? Zu Hause, in der Schule oder draußen? Im Park, in einem Garten oder im Wald?
  • Was hat die Fliege gegessen? Hat sie auf einem Brötchen gerüsselt oder einem Hundehaufen?
  • War die Fliege laut?
  • Wie groß war die Fliege?
  • Ist Dir sonst noch etwas an der Fliege aufgefallen?

So kannst Du ein eigenes kleines Fliegenarchiv erstellen. Vielleicht kann Dir auch eine Erwachsene oder ein Erwachsener dabei helfen, die Namen der verschiedenen Fliegenarten herauszufinden. Außer Stubenfliegen gibt es noch Tausende andere Arten, von der Gelben Getreidefliege über die Gemeine Habichtsfliege bis zum Trauerschweber.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.