Interview mit Frau van Flieg

Wer ist Frau van Flieg?

Von unseren drei Fliegen ist Frau van Flieg die abenteuerlustigste. Als Astronautin ist sie im All unterwegs. Für »Mehr als Fliegen« hat sie die Zeit zum Exklusivinterview gefunden.

Was ist ihre Aufgabe bei „Mehr als Fliegen?“
Ich erforsche den Kosmos, fliege zum Mond und halte eine Raumstation am Laufen. Bsss.

Was macht sie besonders geeignet für ihre Arbeit?
Meinen 3000 Facettenaugen entgeht kein Detail bei meinen Forschungen, die Schwerelosigkeit macht mir nichts aus, weil ich sowieso Decken und Wände erklimmen kann. Außerdem ist mein Saugrüssel perfekt geeignet für Astronautennahrung.

Das ist doch meistens ein Pulver oder eine Paste in der Tüte, oder?
Genau. Ich stecke den Rüssel in die Tüte, spucke rein und sauge alles auf. Schade ist beim Astronautenessen nur, dass ich nichts schmecke.

Warum das denn?
Fliegen schmecken mit den Chemosensillen. Und die sind nicht im Rüssel, sondern an den Beinen.

Was sind den Chemosensillen?
Ganz kleine Haare an den Beinen. Mit denen schmecken wir. Deswegen rasiert sich auch keine Fliege die Beine.

Und sie stellen sich dann auf das Essen drauf, bevor …
Ja genau. Das ist doch eine hervorragende Einrichtung. Wir schmecken schon vorher, ob das Essen nicht mehr gut ist und müssen nichts davon runterschlucken.

Klingt einleuchtend. Wie lange sind sie denn so im Weltall unterwegs?
Das ist unterschiedlich. Zum Mond sind wir so ungefähr acht bis elf Tage unterwegs.

Sie sind also keine Eintagsfliege.
Das ist ja unverschämt! Haben sie denn gar keine Ahnung von Fliegen? Habe ich etwa einen gelblichen Hinterleib mit dunklen, in die Länge gezogenen, dreieckigen Flecken? Oder zwei schmale, lange Striche auf den Rückenschilden 7 bis 9? Hätten sie mich mit einer Gemeinen Stechfliege verwechselt, hätte ich nichts gesagt – das passiert uns Großen Stubenfliegen ständig. Aber so etwas, tss.

Entschuldigung.
Schon gut, vielleicht können sie mich ja gar nicht so gut erkennen. Brauchen sie vielleicht eine Brille? Also, wir Stubenfliegen können bis zu sechs Wochen alt werden. Und als superfitte Astronautin werde ich das locker schaffen.

Wie überleben sie im All?
Ich bin entweder in der Raumkapsel oder trage meinen Raumanzug. Der schützt mich besser als meine Haut aus Chitin. Und versorgt meine Tracheen mit Sauerstoff.

Tracheen?
Ich atme durch kleine Löcher an meinen Körperseiten. Wissenschaftlich werden diese als ‚Tracheen‘ bezeichnet. Alle sind miteinander durch Röhren in meinem Körper verbunden. Durch die Tracheen wird Luft in den Fliegenkörper gepumpt und der Sauerstoff zu meinen Organ transportiert.

Das ist ja interessant.
In der Tat. Sind wir fertig? Der Countdown startet bald.

Ja klar, guten Flug!
Danke.

vanFlieg_steht

alltagsfliegen

alltagsfliegenbeine

sie fallen und stürzen
sie stolpern und taumeln
sie straucheln, purzeln, schwanken
und baumeln.

sie winden die arme
und wackeln mit füßen
sie kreisen die köpfe
und blähen den bauch
sie schaukeln den rücken
und schütteln die brüste
sie wärmen die muskeln
zum abflug auf.

sie fliegen und flattern
sie atmen und schweben
und folgen den wegen
der vögle, insekten
und himmlischen leben.

christiane obermayr 2008

Ein Fliegenmärchen

Eine rothaarige Katze sitzt neugierigen Blickes auf einem roten Hocker

Spielt mit: Der fliegenjagende Morris

Es war einmal eine Stubenfliege, nicht größer als dein Fingernagel, die war furchtbar hungrig. Also schwirrte sie brummend hinaus aus ihrer Stube, auf der Suche nach Essen.

Zuerst roch sie etwas, das war gammliger Fisch. „Genau das richtige für meinen leeren Magen“ dachte sich die Fliege. Summend folgte sie dem Geruch, als sie eine riesige Schüssel sah, in der jede Menge Fischbrocken lagen. Das kleinste dieser Stücke war mehr als doppelt so groß wie die Stubenfliege. Ihr Glück kaum fassend, landete die Fliege in der Schüssel. Soviel zu essen! Gerade als sie ihren Rüssel auf den Gammelfisch setzen wollte, bemerkte sie eine Bewegung hinten links. Mit ihren Facettenaugen erspähte sie eine große Gestalt mit rotem Fell und spitzen Ohren – das war der Kater Morris. Die kleine Fliege in seinem Napf hatte in ihm die Jagdlust geweckt. Ganz langsam war er näher gepirscht, als die Fliege zwischen dem Katzenfutter gelandet war. Aber selbst der flinkste Kater ist nicht so schnell wie eine Fliege und wenn die Fliege nicht gerade sehr abgelenkt ist, kann sie immer entwischen. Und obwohl die Stubenfliege so hungrig war, war sie doch sehr vorsichtig geblieben. Die Pfote des roten Katers sauste zwar blitzschnell herab, die Fliege war aber schneller und schwirrte davon. Hoch in den Himmel flog sie. Hier wollte sie dann lieber doch nicht fressen.

Gedankenverloren drehte sie ihre Runden, als ihr ein neuer Duft in die Fühler stieg. Das war doch Kuhmist! Mit einem freudigen „Bssst!“ näherte sie sich der grünen Weide. Der köstliche Geruch kam von einem großen, braun-weiß gefleckten Ding. Die Fliege näherte sich einer dunklen Öffnung und flog hinein. Sie fuhr die Zunge aus und – Bäh! – das war ja bitter. Sie schwirrte aus dem Ohr der Kuh Anke, deren Ohrenschmalz sie versehentlich probiert hatte. Das köstliche Aroma kam von woanders. Brummend flog sie zum anderen Ende der Kuh, als sie einen Luftzug mit ihren Körperhärchen spürte. Ein riesiger Wedel schoss auf sie zu. Auch wenn sie tausendmal schneller war als der Kuhschwanz, war es ganz schön knapp für die durch die Luft wirbelnde Stubenfliege. Nein, hier auf der Weide war es ihr zu gefährlich.

Also flog sie weiter, obwohl ihr Magen so leer war und ihr die Flügel schon weh taten. Da hörte sie ein Summen und Brummen und Sirren und Flirren – und dann sah sie es auch schon: Hundert Fliegen saßen und schwirrten um einen schönen stinkenden Komposthaufen. Hier waren keine Katzen mit gefährlichen Tatzen oder Kühe mit wedelnden Schwänzen. Nur ganz viele Fliegen, die ihr die besten Stellen verrieten, ihr die neuesten Fliegentänze zeigten und die von ihren Erlebnissen in Schüsseln und Weiden hören wollte. Und wenn sie nicht gestorben ist, rüsselt die Stubenfliege immer noch im Kompost.

Interview mit Lars

Lars2In unserer Interview-Reihe stellen wir Euch das Team von „Mehr als Fliegen“ vor. Diesmal: Lars. Er kümmert sich um den Fliegensound.

Was ist Deine Aufgabe bei „Mehr als Fliegen“?

Ich mache die Musik, um das aufgeregte Summen der kleinen Insekten zu übertönen.

Was spricht Dich besonders an bei diesem Projekt?

Ich mag den interaktiven Lernansatz, den originellen Ansatz und das Design.

Denkst Du, dass sich Deine Einstellung zu echten Fliegen geändert hat oder ändern könnte?

Noch hat sich da nichts geändert. Das könnte aber kommen, wenn im Frühling wieder die ersten Fliegen durch die Luft sausen.

Was machst Du, wenn Du nicht gerade an Kinder-Apps mit Fliegen arbeitest?

Hauptsächlich schreibe ich. Meistens über Literatur, Filme und Comics, momentan vor allem aber meine Dissertation.

Wenn Du Musik komponierst, orientierst Du Dich an bestimmten Vorbildern?

Vor allem orientiere ich mich an der Musik der 60er; Soul, Rocksteady, Country, Beat und Surf-Musik.

Womit arbeitest Du beim Kreieren von Musik?

Mit ziemlich wenigen Dingen. Das meiste entwickel ich grob an meiner Akustik-Gitarre. Die Feinheiten kommen dann bei der Aufnahme am Comupter mit E-Gitarre und Keyboard.

Auf welches Projekt bist Du besonders stolz?

Oje, kann ich nicht sagen. Im Moment freue ich mich, dass eins meiner Stücke als Werbejingle für das Aachener Comic-Fest „Comiciade“ benutzt wird.

Was ist ein Infobit?

infobitIn „Mehr als Fliegen“ erzählen wir eine Geschichte. Die Geschichte dreier Fliegen mit spannenden Berufen. Aber gleichzeitig erklären wir eine Welt: die Welt der Fliegen. Wie sie leben, wie sie essen, sehen, atmen und natürlich wie sie fliegen. Da wir die Geschichte von „Mehr als Fliegen“ Kindern erzählen, haben wir diese Informationen auch in kleinen kindgerechten Happen aufbereitet – ohne zu stark zu vereinfachen. Auf jeder Seite unserer App bringen wir diese kleinen „Infobits“ unter. Wenn die Lesenden – Erwachsene oder Kinder – darauf tippen poppt ein Infoscreen auf. In Ton und Bild, mit Illustrationen und Text erklären wir den passenden Aspekt zum Thema der Seite: Erkundet Frau van Flieg die Schwerelosigkeit, erklärt das Infobit, wie Fliegen der Schwerkraft trotzen und an der Decke entlanglaufen. Interessiert sich die kleine Moskitty für einen Job als Köchin, erklären wir die Ernährung der Fliegen. Interesse an einer Kostprobe?

Info: Draufspucken und verdauen
Fliegen haben weder Zähne noch Lippen sondern einen Saugrüssel. Damit saugen sie flüssige Nahrung auf. Wenn sie etwas Festes essen wollen, spucken sie drauf. Das Essen verflüssigt sich und sie können es einsaugen. Am liebsten essen sie Zucker. Sie ernähren sich aber auch von vielen Dingen, die Menschen nicht so lecker vorkommen: Gammliges Fleisch, schimmliges Obst oder Kot.

Nicht sehr appetitlich, aber informativ. So helfen die Infobits beim Verstehen der Fliegenwelt. Eure Kinder lernen so jede Menge über Biologie und das Leben der Stuben- und anderen Fliegen.

Level U(p)!

Next Level Conference 2013

<Head>and<Body> und das Dortmunder U

Bewegte Schachfiguren wuseln über die riesigen Monitore auf den obersten Stockwerke der ehemaligen Unions-Brauerei und machen auf Anhieb klar: Wir sind in der Zukunft.

Mit dem Dortmunder U hatte die Next Level Conference im vergangenen Dezember endlich ein mehr als passendes Gebäude gefunden. Die Festivalkonferenz zu Kunst und Kultur der digitalen Spiele war vom Rheinland ins Ruhrgebiet gezogen. Im U-Inneren hielten die Pixel Einzug: Via Projektion an den Wänden des Treppenhauses spielten die Besucher Tetris, Super Mario World, Space Invaders und andere 8-Bit-Klassiker. Im Eingangsbereich tanzte eine Chimäre aus Börsenbulle und Goldenem Kalb für die Games-Performance »Golden Calf« von Volker Morawe und Tilman Reiff das Börsenjahr.

Betrachter vor der Installation Golden Calf: Ein goldenes riesiges Stehaufmännchen mit dem Kopf eines Bullen und rot leuchtenden Augen.

Zu Besuch beim »Golden Calf«

Aber der erste Besuch sollte uns, Chris und Fabian von <Head>and<Body> zum Workshop von Jana und Matthias von Creative Gaming führen. Im leider weniger gut besuchten Workshop (2 Workshopper gegenüber 3 Besuchern) haben wir uns näher mit Kodu beschäftigt und schließlich innerhalb von zwei Stunden Workshop sogar ein kurzes Level mit der 3D-Software gebastelt. Auch wenn das Ergebnis nicht die höchste Spielkunst war, waren wir sehr zufrieden. Heldin unseres Games war eine Schildkröte, die gewann, wenn sie innerhalb einer Minute 5 Oktopoden (es gab eine kurze Diskussion über den korrekten Plural von Oktopus) verzehrte.

Eine Frau schaut auf den Bildschirm eines Laptops.

Levelbau mit Kodu.

Geistig anspruchsvoller und weniger verspielt war die Keynote von Bazon Brock, Künstler und Kunsttheoretiker, emeritierter Professor für Ästhetik und Kulturvermittlung an der Bergischen Universität Wuppertal unter dem Titel: »Next Level 1914. Algorithmus als Feuerkraft: Großväter erzählen vom kommenden Krieg.« Professor Brock machte hier frei nach Schiller das Spiel als grundlegende Kulturtechnik aus. Das Erforschen des Möglichen und die Vorbereitung auf eigenes Scheitern seien nur im Spiel möglich. Diese Kulturtechnik sei dabei, sich grundlegend zu ändern, wenn Spiel (Ballern via Konsole in der virtuellen Spielumgebung) und Wirklichkeit (Ballern via Drohne in Pakistan) außer in ihren Folgen kaum noch zu unterscheiden seien. Mehr dazu in einem Interview bei Deutschlandradio Kultur. Dann warf Brock noch den Ersten Weltkrieg als Folge der Negation des Scheiterns jeder Kriegspartei ins Feld, wobei er Christopher Clarks aktuelles Buch »Die Schlafwandler« disste. Apropos Dissen: Seine Keynote begann Brock mit einer Attacke auf die Kreativwirtschaft, für ihn eine leere Worthülse, zwischendurch geißelt er Merkel für ihre Politik des Nichthandelns. Insgesamt ein wahrer Brainstorm aus Philosophie, Geschichte und Performance, bei dem vieles zu hoch und nicht alles (politisch) korrekt war. Mit schwirrendem Kopf ging es für <Head>and<Body> früh ins Bett, um am nächsten Morgen ausgeschlafen das U zu besuchen.

Die Journalistin Helga Hansen schilderte am Samstag in ihrer Keynote »Games + Gender« die aktuelle Situation der Gamesbranche: Jahrelanges Vermarkten von Spielen als Männer/Jungsaktivität hat ein unangenehmes Klima für weibliche Gamer geschaffen. Frauen existieren Ingame fast nur als sexistische Stereotypen, Spielerinnen werden beleidigt und nicht ernst genommen. Erst langsam könnte mit prominenten Wissenschaftlerinnen wie Anita Sarkeesian ein Wandel einsetzen – wenn sich die Chauvi-Shitstorms gelegt haben und die Entwickler Frauen als Zielgruppe ernst nehmen.

Eine Frau mit grüner Sturmhaube zündet sich eine Zigarette an, sie wird via Beamer auf das Podium einer Diskussion mit vier Männern zugeschaltet.

Karen Eliot via Skype auf dem Panel »Kunst und Computerspiele«.

Im Panel »Kunst und Computerspiele« ging es vor allem um Kunst in Games, virtuell zu Gast war Künstlerin/Kunstfigur/Massenpseudonym Karen Eliot, die auf einer Insel in »Second Life« eine anarchistische Gesellschaft gegründet hat. Indem sie allen Spielern auf einer Insel administrative Rechte eingeräumt hat, zwang sie alle zur Kooperation. Alle konnten sich gegenseitig von der Insel verbannen oder die Bauwerke der anderen löschen. Bemerkenswert auch das Helmut-und-Loki-Schmidt-Privileg der Künstlerin unter der grünen Balaklava: Da sie via Skype zugeschaltet war, konnte sie sich als einzige Panelteilnehmerin zwischendurch die eine oder andere Kippe anzünden. Nach einer kurzen Besichtigung der Ausstellungen im U warandbeim Vortrag »Zwischen virtueller und physischer Realität: die Räume des Computerspiels« des Philosophen Stephan Günzel zu Gast. Von Barbie-Games über Henri Lefebvre ging es bis zu der Schlussfolgerung, dass virtuelle Räume ebenso real sein können wie physische. Nach so viel Sitzen und Zuhören versprach die Premiere der Performance »Can I leave now?« Abwechslung. Mit eingeschalteten, in das Performance-WLAN eingeloggten Smartphones fanden sich die Besucher in einem dunklen Raum wieder, der eine leichte Ähnlichkeit zum Holodeck, der Virtual-Reality-Wunschmaschine aus »Star Trek« aufwies. Die Schauspielerinnen und Schauspieler zeigten unter anderem »Twilight« aus der Perspektive eines Flugreisenden, ein Date als Sammelkartenspielduell, eine ferngesteuerte Hotelzimmerinsassin und das Einigeln in den Raumanzug. Zwischendurch konnte das Publikum per Smartphone tasten drücken, aber ob eine echte Interaktion stattfand, bleibt unklar.

Ein Mann steht mit verschränkten Armen auf einem Block.

Performance im Holodeck: »Can I leave now?«


Insgesamt eine durchaus besuchenswerte Festivalkonferenz, der aber im vierten Jahr ein wenig die Luft auszugehen scheint. Fanden die Treffen in der Kletterhalle Kalk und in der Herz-Jesu-Kirche am Zülpicher Platz noch fast in einer familiären Atmosphäre statt, verloren sich die Besucher 2013 zwischen Business und Education.

Text: Fabian Mauruschat Bilder: Christiane Strauss und Fabian Mauruschat

Interview mit Kavanga

20140131_143951In unserer Interview-Reihe stellen wir Euch das Team von „Mehr als Fliegen“ vor. Diesmal: Katrin von Kavanga! Design. Ihr Spezialgebiet ist visuelle Kommunikation.

Was ist Deine Aufgabe bei „Mehr als Fliegen“?

Meine Aufgabe war die Realisation des Crowdfundingvideos zur App – sprich Dreh, Teile der Animation und Schnitt.

Was spricht Dich besonders an bei diesem Projekt?

Das es ein Projekt für Kinder ist. Zudem bin ich ein Fan von den großartigen Illustrationen aus der Feder von Christiane Strauss.

Denkst Du, dass sich Deine Einstellung zu echten Fliegen geändert hat oder ändern könnte?

Ich ertappe mich in letzter Zeit ab und an dabei, zu lächeln wenn mir eine Fliege in freier Wildbahn begegnet.

Was machst Du, wenn Du nicht gerade an Kinder-Apps mit Fliegen arbeitest?

Ich bin Designerin mit dem Schwerpunkt Bewegtbild. Neben der Konzeption und Umsetzung unterschiedlicher filmischer Formate realisiere ich auch künstlerische Projekte.

Du machst Installationen, Video und Fotografie – hast Du da eine „Lieblings-Ecke“?

Nein, es sind immer sehr verschiedene Dinge, die mich in verschiedenen Phasen meines Lebens und meiner Arbeit interessieren.

Auf welches Projekt bist Du besonders stolz?

Darauf, dass einige meiner Arbeiten es bei verschiedenen Wettbewerben auf´s Treppchen geschafft haben.

Anleitung zur Fliegensafari

(für Kinder)

Im Sommer, wenn das Wetter fliegenfreundlich warm wird, oder im Frühling, wenn die ersten Brummer und Summer aus ihren Winterkompostlagern schlüpfen, kommt die Zeit der Fliegensafaris. Das wichtigste ist dabei die Geduld. Wenn Du eine Fliege erspähst, sei ganz still und leise. Ständig müssen sie Fliegenklatschen und Kuhschwänzen ausweichen, und reagieren sehr empfindlich auf Bewegungen von uns Riesen. Wenn Du merkst, dass die Fliege (oder die Fliegen, sie kommen selten allein) immer wieder an einem Ort in der Wohnung oder im Garten landet, dann bewege Dich langsam und vorsichtig in die Nähe. Hier kannst Du Dich hinsetzen oder hinlegen. Es ist wichtig, dass Deine Lage gemütlich ist und Du nicht mittendrin im Fliegenbeobachten ein eingeschlafenes Bein ausschütteln oder Dich umdrehst musst, weil Dein Rücken wehtut. Wenn Deine Lage bäuchlings auf dem Wohnzimmerteppich ist, dann kann es natürlich sein, dass ein Elternteil oder ein anderer Erwachsener sich darüber wundert. Erkläre ihr oder ihm mit ruhiger Stimme, dass Du auf Fliegensafari bist. Er oder sie sollte Verständnis dafür haben und sich vorsichtig von der Fliegenbeobachtungsstelle entfernen.

Ein Kindergesicht, welches auf eine Fliege guckt, die gerade aus dem Bild verschwindet ( Bleistiftzeichnung auf Papier). Das alles vor der für "Mehr als Fliegen" gezeichnete Aquarell-Tapete.Bleibst Du ruhig an der Fliegenlandestelle, finden sich die Fliegen auch wieder ein. Vielleicht kommen sie nicht sofort wieder, wenn Du Dich dort niederlässt, aber nach einiger Zeit gewöhnen sie sich an Dich (oder vergessen, das Du Dich bewegt hast) und kehren zu ihrer bevorzugten Stelle zurück. Vielleicht hat hier jemand Zuckerkrümel verloren oder Schmutz hereingetragen, für den sich die Fliegen interessieren. Vielleicht gefällt den Brummern auch das Verhältnis von Licht und Schatten an dieser Stelle oder die Lufttemperatur. Wenn Du die Fliegen aus der Nähe siehst, kannst Du schon viel mehr erkennen. Aus schwarzen Flecken werden kleine Sechsbeiner mit durchsichtigen Flügelchen und großen Augen. Viele Fliegen haben rote oder braunrote Augen, andere schwarze oder grüne. Auf den ersten Blick sehen Fliegenaugen riesig im Verhältnis zum Kopf aus, dabei bestehen sie aus tausenden Mini-Augen. Das Fachwort für so ein zusammengesetztes Auge ist Facettenauge. Weil die Facettenaugen seitlich am Kopf liegen und fast kugelrund sind, kann eine Fliege beinahe alles rundherum um sich sehen. Deswegen ist es auch auf der Fliegensafari schwer, sich den Insekten unbemerkt von hinten zu nähern. Insekten ist das Fachwort für Fliegen und ähnliche Tiere mit sechs Beinen – zum Beispiel Bienen, Käfer und Libellen.

Ist eine Fliege erst einmal gelandet, wird sie wahrscheinlich ihre Vorderbeine aneinander reiben, mit ihnen über ihren Kopf wischen, ihre Hinterbeine am Hinterleib rubbeln und so weiter. So putzen sich Fliegen. Du hast womöglich gehört, dass Fliegen im Schmutz leben und sich von gammligem Essen ernähren. Gerade deswegen müssen sie sich putzen. Denn wenn Du noch genauer hinschaust, siehst Du viele kleine Haare am ganzen Fliegenkörper und auf den Beinen. Mit diesen Mini-Härchen spüren Fliegen Luftbewegungen – zum Beispiel eine Fliegenklatsche, die sich auf sie zubewegt. Dafür müssen die Härchen natürlich sauber sein. Die Vorderbeine putzen sich Fliegen besonders eifrig, denn mit den Haaren dort schmecken sie sogar. Die Fliege beim Putzen macht also dasselbe wie ein Mensch beim Zähneputzen und Ohren saubermachen.

Als nächstes wird die Fliege vielleicht ihren Saugrüssel ausfahren und damit über den Boden wischen. Das bedeutet, dass sie etwas zu essen gefunden hat. Fliegen essen ganz anders als wir. Mit dem Rüssel spucken sie auf ihre Nahrung und ihre Spucke löst alles Feste auf. Die flüssige Masse saugt die Fliege hoch. Rüsselt das Tierchen über den Boden, frisst es kleine Zuckerreste oder andere Leckereien. Wobei Leckereien für Fliegen auch sehr unappetitliche Dinge sein können: gammliges Fleisch, schimmliges Obst oder Kot.

Wenn Du länger auf Fliegensafari gehst, zum Beispiel einen ganzen Sommer lang, dann kannst Du alle möglichen verschiedenen Fliegen beobachten. Sie unterscheiden sich in Größe, Farbe und Ernährung. Du kannst einen Fliegensteckbrief anlegen, in dem Du für jede Fliege die unterschiedlichen Merkmale aufführst. Ein paar Beispielfragen:

  • Welche Farbe haben die Augen der Fliege? Rotbraun oder ein anderer Farbton?
  • Welche Farbe hat der Körper der Fliege? Mit deutlich sichtbaren Haaren?
  • Haben die Fliegenbeine sichtbare Füße, vielleicht in einer anderen Farbe als die Beine?
  • Wo hast Du die Fliege gesehen? Zu Hause, in der Schule oder draußen? Im Park, in einem Garten oder im Wald?
  • Was hat die Fliege gegessen? Hat sie auf einem Brötchen gerüsselt oder einem Hundehaufen?
  • War die Fliege laut?
  • Wie groß war die Fliege?
  • Ist Dir sonst noch etwas an der Fliege aufgefallen?

So kannst Du ein eigenes kleines Fliegenarchiv erstellen. Vielleicht kann Dir auch eine Erwachsene oder ein Erwachsener dabei helfen, die Namen der verschiedenen Fliegenarten herauszufinden. Außer Stubenfliegen gibt es noch Tausende andere Arten, von der Gelben Getreidefliege über die Gemeine Habichtsfliege bis zum Trauerschweber.

Rosa riecht … oder?

rosa riecht!Ist Rosa eine schlimme Farbe? Das könnte man für die Aussage der Initiative Pink stinks halten. Die Mitglieder kämpfen gegen „Produkte, Werbeinhalte und Marketingstrategien, die Mädchen eine limitierende Geschlechterrolle zuweisen“. Das hat mit der Farbe „Rosa“ (oder Pink, aber das ist eigentlich etwas anderes) nur bedingt zu tun. Rosa ist mehr die Signalfarbe der Rückkehr alter Rollenklischees vom zu beschützenden Mädchen und abenteuerlustigen Jungen. Besonders im Marketing von Kinderartikeln sind Rosa und Glitzer angesagt. Subtext: „Das ist nur für Mädchen“. Der Umkehrschluss: Alles andere, die bunten Sachen, die sind für Jungen. Die dürfen sich als Piraten, Ritter, Astronauten austoben, Mädchen sind passive Prinzessinnen. Unter diesem Gesichtspunkt werden Mädchen zu Langeweile verdonnert. Werden sie erwachsen, haben sie nicht nur die Vorurteile ihrer Umwelt gegen sich, sondern auch die kleine rosa Prinzessin im eigenen Kopf und ihr Rufen „Halte aus, der Prinz kommt schon!“ Rosa ist das neue Grau.

Der Grund für diese Rollenklischees ist aber nicht, dass die Anbieter „gute alte Zeiten“ für toll halten. Mit Produkten für Mädchen und Jungen wird mehr oder weniger die Zielgruppe verdoppelt. „Schafft man die Zielgruppe „Kinder“ ab und führt Jungen und Mädchen ein, kann man doppelt so viele Trends setzen, doppelt so viel herstellen.“ schreibt Carolin Wiedemann in der FAZ. Mir ist das zum ersten Mal bewusst geworden, als ich selbst Werbetexte … Entschuldigung, Agenturtexte … für Bastelkleber geschrieben habe. Die beiden Bastelkleber „Pirat“ und „Pony“ lassen sich doppelt verkaufen – zumindest an Familien mit Töchtern und Söhnen. Ich kann mir recht gut vorstellen, wie es im Supermarkt heißt: „Ich will aber keinen Ponykleber, ich will Piratenkleber!“ oder umgekehrt. Klar, Kinder und Erwachsene sollte selbst über Rosa, Glitzer oder nichts davon entscheiden. Aber es sollte Wahlfreiheit geben.

Unter diesem Gesichtspunkt haben wir uns bei der Gestaltung unser App für Kinder »Mehr als Fliegen« auch für einen rosafarbenen und zugleich maskulinen Charakter entschieden: Moscatello trägt rosa und tanzt Ballett, ist aber eindeutig männlich zuzuordnen. Er geht in seiner Kunst auf und kann sich nichts anderes vorstellen. Seine Fliegenkolleginnen begeistern sich für andere Farben und Berufsaussichten. Bei Frau van Flieg haben wir uns für die Grundfarbe Grün und eine Karriere als Astronautin entschieden. Beide Charaktere, Moscatello und Frau van Flieg zeigen Kindern, dass Frauen und Männern alle Berufe offenstehen. Besonders deutlich wird das bei der kleinen Moskitty, die in verschiedene Berufsbilder hineinschnuppert und deren Farbe übrigens Rot ist.

Illustration: Christiane Strauss Text: Fabian Mauruschat